Ich bin ein Aal, der durch die Kluft gleitet,
ich bin ein Fisch, der vor dem Sturm herschwimmt,
ich bin ein Wal, der auf den Wellen reitet,
ich bin ein Seeschwärmer, der durch die Sphären schwebt,
ich bin die Muräne, die im Finstren lauert.
Ich bin Nauraka!
In den "Chroniken von Waldsee" entführte uns Uschi Zietsch bereits in die wunderbare Welt des Träumenden Universums und erzählte in drei Bänden die Geschichte des Halb-Naurakas Rowarn, der sich seinem vorbestimmten Schicksal und damit sich selbst stellen musste. Nun kehrt sie zurück nach Waldsee, 1000 Jahre sind vergangen, und zeigt uns die faszinierende Unterwasserwelt des ältesten Volkes, des Urvolkes des Meeres, den Nauraka. An Land kennt man sie nur noch aus Legenden, schon lange glaubt man, dass die Seegeborenen nicht mehr existieren. Doch am Meeresgrund, gut verborgen vor den meisten Landbewohnern, leben auch weiterhin große Gruppen des alten Volkes.
So auch Prinz Erenwin, genannt Eri, und seine Schwester Luri, die wohlbehütet im Palast ihrer Eltern, dem Hochfürsten Ragdur und der Hochfürstin Ymde, aufwachsen. Eri hat es als Zweitgeborener nach seinem Bruder Lurion nicht immer leicht, denn sowohl Bruder als auch sein Vater empfinden ihn als störendes Anhängsel. Doch der junge Nauraka ist trotz allem sehr unbeschwert und neugierig auf alles Unbekannte. Zu gern würde er einmal das Land sehen, was den meisten Mitgliedern seiner Sippe jedoch verboten ist. Seine Schwester Luri ist seine beste Freundin und er träumt davon, gemeinsam mit ihr, eines Tages wunderbare Abenteuer zu bestehen. Doch auf ihn wartet ein Schicksal, dem er scheinbar nicht entrinnen kann...
Bei einem Jagdunfall sinkt Eri bewusstlos in die dunklen Tiefen des Meeres hinab, aus denen man normalerweise nicht mehr lebend heraus kommt. Eri jedoch überlebt seinen Unfall nicht nur, er bringt auch etwas mit aus der Tiefe. Die schwarze Perle, die er im Sand am Meeresboden findet, fasziniert ihn und er schützt sie fortan wie einen Schatz.
Eine schwarze Perle, so groß, dass Eris Hände sie nicht ganz umfassen konnten. Sie war völlig rund und glatt und schillerte in besonderem Glanz. Eri hatte noch nie etwas so Wunderschönes gesehen. Perlen waren für die Nauraka nichts Besonderes – aber diese hier, schwarz, so groß und so perfekt: Das war eine Sensation. Und Eri begriff, dass diese Perle ihm den Weg an Land ebnen würde oder wohin auch immer, jedenfalls in ein großes Abenteuer.
Nach und nach verändert Eri sich merklich, die Perle scheint ihn verzaubert zu haben, immer wieder hört er ein seltsames Flüstern in seinem Kopf. Sogar sein Körper nimmt langsam die Farbe des Kleinods an, erst wird nur ein Finger schwarz, dann der ganze Arm...
Eri äußert sich nun immer wieder kritisch über die Herrschaft seines Vaters, sein Selbstbewusstsein wächst in dem Maße, wie die Perle ihn verändert. Sein Vater will dieses Verhalten nicht dulden und verbannt seinen ungeliebten Sohn aus der Sippe der Darystis. So begleitet Eri seine Schwester Luri in ihre neue Heimat Karund, wo sie in Zukunft als Ehefrau des Fürsten Janwe herrschen soll. Doch die Geschwister merken zu spät, dass sie in ein Spiel böswilliger Intrigen verstrickt, Teil eines uralten Plans sind, den mächtige Gegner nun endlich ausführen wollen...
Wieder ist es Uschi Zietsch gelungen, ihre Leser mit ihrem Einfallsreichtum und ihrer Fantasie zu verzaubern. Die Beschreibung der Unterwasserwelt der Nauraka ist so anschaulich und ausdrucksvoll gelungen, dass man glaubt, vor Ort zu sein. Diesen farbenfrohen und vielfältigen Kosmos vor Augen, taucht man im wahrsten Sinne des Wortes ab in die Geschichte um Eri und Luri, zwei Königskinder, die schwere Aufgaben zu bestehen haben, sich aus den Augen verlieren und doch durch ein unsichtbares Band für immer miteinander verbunden sind.
Gekonnt lässt die Autorin ihre Leser in die Seele ihre Protagonisten blicken, sodass man ihnen sofort nah ist und bis zum Ende des Buches mit ihnen mitfiebern kann. Man begegnet vielen neuen und unbekannten Wesen, unter Wasser wie später an Land, lernt die Tochter König Rowarns und seiner Gattin Arlyn kennen, worüber sich Fans der Waldsee-Chroniken freuen werden, und auch die Tochter der Velerii Schattenläufer und Schneemond kreuzt unseren Weg.
Wie man es von Uschi Zietsch kennt, schreibt sie mit viel Gefühl und legt tiefe Emotionen in die wichtigsten Szenen der Geschichte, sodass man einfach mitgerissen wird von den Ereignissen, die schließlich, als großes Ganzes betrachtet, eine Geschichte offenbaren, die man anfangs nicht erahnen konnte.
Bereits das wunderschöne Cover von Nauraka verspricht eine fantastische Reise in die faszinierende Welt Waldsees, und die Story wird den Erwartungen in jedem Fall gerecht. Außerdem findet man am Ende des Buches wieder einen Anhang plus informativem Glossar.
Zufrieden und bestens unterhalten kann man nach der Lektüre das Buch zuschlagen, bereits von der nächsten Reise in diese fantastische Welt träumend.
Uschi Zietsch wurde 1961 in München geboren. Nach ihrem Studium der Rechts- und Theaterwissenschaften, Geschichte und Politik machte sie ihren kaufmännischen Abschluss an der IHK. Bis Mitte 1996 war sie neben dem Schreiben hauptberuflich im Marketing/Vertrieb tätig. Seither ist sie freischaffende Schriftstellerin. 1986 veröffentlichte sie ihren ersten Fantasy-Roman "Sternwolke und Eiszauber". Seither folgten über 100 weitere Publikationen. Teilweise schreibt sie Romane und Erzählungen unter dem Pseudonym Susan Schwartz, sowie TV-Romane und Krimis unter anderen Pseudonymen. Uschi Zietsch lebt heute mit ihrem Ehemann, diversen Tieren, Autos und Motorrädern im bayerischen Unterallgäu.