Kurzbeschreibung
In Anspielung auf eine Meldung, die Keller in einer Züricher Zeitung las, und natürlich auf Shakespeares Tragödie beginnt die Erzählung: "Diese Geschichte zu erzählen würde eine müßige Nachahmung sein, wenn sie nicht auf einem wirklichen Vorfall beruhte, zum Beweise, wie tief im Menschenleben jede jener Fabeln wurzelt, auf welche die großen alten Werke gebaut sind. Die Zahl solcher Fabeln ist mäßig; aber stets treten sie in neuem Gewände wieder in die Erscheinung und zwingen alsdann die Hand, sie festzuhalten."
Eine Liebesgeschichte? - Zweifellos. Die zärtliche Zuneigung der Bauernkinder Sali und Vreneli ist voller Poesie, voller Licht und Sonne. Die Sehnsucht, die sie weckt, hat ihre Wurzel jedoch nicht in der Erfüllung. Denn von Habsucht ist die kleine Welt der Kinder bestimmt, von der Besitzgier ihrer sich auf den Tod verfeindenden Väter.
Autorenportrait
Gottfried Keller (1819 - 1890) gilt als Schweizer Pendant zu Theodor Fontane. Weltberühmt ist vor allem sein Novellenzyklus 'Die Leute aus Seldwyla“.
Bianca meint
Momentan kümmere ich ja um Werk aus der Zeit des Realismus und nachdem mir bereits eine Novelle des Zyklus „Die Leute aus Seldwyla“ gut gefallen hatte, war ich nun neugierig auf ein Werk des ersten Teils (der bereits 1856 veröffentlicht wurde) und griff zu „Romeo und Julia auf dem Dorfe“, zumal dieses Werk auch in der Realismus-Vorlesung ausführlich vorgestellt wurde.
In diesem Werk kommt die geballte Kraft der Volkspoesie zum Vorschein und bietet so neue Möglichkeiten, hier sollen wirklich alle Bevölkerungsschichten ans Lesen gebracht werden und so steht ein Bauerndorf im Vordergrund, das für natürliche (bürgerliche) Werte steht.
Die Väter von Vreni und Sali geraten über ein Stück Ackerland in Streit, verlieren förmlich den Verstand und verwahrlosen immer mehr. Vreni und Sali, die bereits als Kinder zusammen gespielt haben, verlieren sich Jahre aus den Augen, bis sie sich bei einem der zahlreichen Streitigkeiten ihrer Väter wiedersehen und sich verlieben. Dass diese Liebe natürlich geheim bleiben muss, versteht sich von selbst. Doch das Versteckspiel der zwei bleibt nicht lange unentdeckt und es passiert etwas Schreckliches...
„Romeo und Julia auf dem Dorfe“ nimmt natürlich auf Shakespeares Werk „Romeo und Julia Bezug, wird darüberhinaus aber mit einer wahren Geschichte verknüpft, die Keller in der Zeitung las und so eine Geschichte darüber schrieb. Dem Realismus typisch, beleuchtet Keller auch in diesem Stück die Gesellschaft und stellt sie in seinen Werken vor oder gar bloß. Sprachlich schlicht formuliert und leicht zugänglich beleuchtet er menschliche Probleme und ihren Umgang damit.
Alles in allem bin ich nun noch neugieriger auf den gesamten Novellenzyklus und die Seldwyler
Titel: Romeo und Julia auf dem Dorfe
Autor: Gottfried Keller
Verlag: Hamburger Lesehefte Verlag
ISBN13/EAN: 9783872911025
Seiten: 72
Erschienen: 2008
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