Thaddeus und der Februar - Shane Jones (1 Leser) (1) Gäste
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THEMA: Thaddeus und der Februar - Shane Jones
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Thaddeus und der Februar - Shane Jones Gepostet: 06.02.2010 20:31
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Es ist kalt und trostlos: der Februar beherrscht schon viel zu lange das kleine Dorf, in dem Thaddeus und seine Familie lebt. Der Februar droht, das Leben lahm zu legen.
Doch das wollen sich die Bewohner nicht gefallen lassen: sie erklären ihm den Krieg.
Es ist jetzt schon zwei Wochen her, dass ich dieses Buch beendet habe und ich kann immer noch nur sagen: Wow!
Es ist verdammt lange her, dass ich so etwas außergewöhnliches wie Thaddeus und der Februar in den Händen hielt und das Buch sprachlos zuschlug.
Shane Jones hat mit diesem gerade mal 174 Seiten starken Büchlein eine Geschichte erschaffen, deren Ausmaß und deren Charme sich erst am Ende offenbaren.
Fairerweise muss aber gesagt sein, dass sich nicht wirklich alles erschließt und aufschlüsseln lässt.
Selbst der Autor sagte in einem Interview, dass auch er wohl nicht alles erklären kann, und das, obwohl er die Geschichte selbst erdachte.
Dennoch steckt dieses doch surreale Buch voller phantastischer Bilder und hat meine Fantasie von Anfang gefordert und angeregt.
Es ist ein Buch, das überrascht und in seinen Bann zieht.
Auch die Aufmachung des Buches ist wirklich fantastisch. Ich muss jetzt noch immer wieder das Buch in die Hand nehmen und es betrachten.
Nimmt man den Schutzumschlag ab, erwartet einen ein wunderschönes Cover: eine schwarz-weiß Karikatur einer Winterlandschaft. Doch auch das Durchblättern ist eine wahre Freude: Ria Brodell versah dieses ungewöhnliche Buch mit wunderschönen Zeichnungen.
Shane Jones hat mit Thaddeus und der Februar (Spike Jonze (Wo die wilden Kerle wohnen) sicherte sich wohl schon die Filmrechte) ein absolut außergewöhnliches Buch geschrieben, dass mir immer noch die Worte raubt, dass ich aber uneingeschränkt weiter empfehlen kann.
Ich kann eigentlich nur sagen: Herr Jones, bitte mehr davon!
Titel: Thaddeus und der Februar Autor: Shane Jones Verlag: Eichborn ISBN13/EAN: 9783821861074 Seiten: 176 Erschienen: 2010-02 Details anzeigen | Preisvergleich
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Re:Shane Jones - Thaddeus und der Februar Gepostet: 11.04.2010 14:44
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Das "Thaddeus und der Februar" auf dem Schutzumschlag die Bezeichnung Roman trägt, finde ich persönlich irreführend. Viel mehr handelt es sich um ein surreales, stellenweise recht brutales, und doch zauberhaftes und poetisches Märchen für Erwachsene.
Es war einmal... eine Stadt in der die kalte Herrschaft des Februar schon viele hundert Tage währte, der Wechsel der Jahreszeiten außer Kraft gesetzt war, und alles, was fliegen konnte, war vernichtet. Kein Bewohner der Stadt durfte jemals wieder vom Fliegen sprechen. Die Kinder verschwanden im Wald und eine tiefe Traurigkeit legte sich über die Stadt. Die Stadt beschloss gegen den Februar in den Krieg zu ziehen, angeführt von einer Gruppe ehemaliger Ballonfahrer, die sich "Der Ausweg" nannte...
Die Aufmachung des Buches ist so wunderschön, dass ich abgesehen vom Inhalt gar nicht anders kann als diesem Buch die höchste Bewertung zu geben. Sowohl der Umschlag als auch der darunter verborgene Hardcovereinband erstrahlen in einem glitzernden Weiß, dass einen an eine geschlossene Schneedecke denken lässt. Auf dem Schutzumschlag ist Thaddeus an der Außenseite seines Ballons abgebildet mit einem Leuchtkasten über dem Kopf (Originaltitel des Buches: Light Boxes), auf dem bedruckten Hardcover sieht man eine weitere im Buch beschriebene Szene, in der Männer mit langen Stöcken im Himmel herumstochern und Hirsche mit einem bedruckten Banner zwischen den Geweihen - "Krieg dem Februar" - durch die verschneite Ebene eilen.
Die Zeichnungen stammen von Ria Brodell, und untermalen das Geschehen auf eine einzigartige, manchmal bedrückende Weise - "Jemand hatte Caldor Clemens in einer hohlen Eiche aufgehängt." Text + Zeichnung, Seite 114f.
Der Schriftsatz der Geschichte ist verspielt und auffällig. Neben Kapiteln in normaler Schriftgröße, tauchen in der Erzählung immer wieder Textstellen in größerer Schrift auf, manchmal steht nur ein Satz in der Mitte einer Seite, und Papierschnipsel werden dargestellt durch immer wiederkehrende Satzfragmente.
Wie die meisten Märchen findet auch das von Thaddeus und dem Februar ein gutes Ende: "Ihr habt ihn nie gesehen, aber im Februar blüht ein schöner Garten." - FLIEGEN WIEDER MÖGLICH
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Re:Shane Jones - Thaddeus und der Februar Gepostet: 05.08.2010 13:22
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"Das Schlimmste, was man Neuengland vorwerfen kann, ist nicht der Puritanismus, sondern der Februar" (Joseph Wood Krutch: Die zwölf Jahreszeiten)
"Ihr habt ihn nie gesehen, aber in mir blüht ein schöner Garten"
Aussehen und Gestaltung des Buches:
Schon der Schutzumschlag dieses kleinen Büchleins schafft es, mich vollends zu begeistern. Man sieht darauf Thaddeus, den Ballonfahrer mit einem Leuchtkasten auf dem Kopf, als er gerade an der Seite eines farbenfrohen Ballons hinaufklettert. Die gesamte Szenerie ist mit einer feinen Glitterschicht überzogen, sodass man das Gefühl hat, das Glitzern von frostigem Neuschnee erblicken zu können. Unterhalb des Schutzumschlages auf dem eigentlichen Buchcover, befindet sich die erste Kohlezeichnung von Ria Brodell. Sie zeigt eine öde Winterlandschaft, in der etliche Menschen versuchen, mit Wetteränderungsstangen die Wolken zu zerreißen. Im Vordergrund kann man eine Reihe Hirsche entdecken, denen allesamt das Spruchband "Krieg dem Februar" in ihre Geweihe eingeflochten wurde. Auch hier wurde das Bild mit einer sanften Glitterschicht überzogen, die wirklich faszinierend aussieht und die Szenerie passend unterstreicht. Im Verlauf der Geschichte lässt die Illustratorin immer wieder ihre eigenen Kohlezeichnungen an geeigneten Stellen einfließen, die wunderbar die Stimmung des Büchleins unterstreichen und es gelingt ihr dadurch, den Leser noch tiefer in Thaddeus Welt zu ziehen und ihm die Handlung noch näher zu bringen.
Inhalt und Hauptpersonen:
Schon seit fast eintausend Tagen, breitet der Februar seinen dunklen Mantel über das Land und verdüstert das Leben und die Stimmung der Menschen. Er verbreitet Trauer und Depression unter den Bewohnern einer kleinen Stadt, zu denen auch Thaddeus Lowe , seine Frau Selah und die gemeinsame Tochter Bianca zählen. Als der Februar durch seine Priester ein neues Verbot verkünden lässt, das alle Dinge, die etwas mit dem Fliegen zu tun haben, untersagt, beschließen die Menschen, gegen den Februar in den Krieg zu ziehen. Gemeinsam mit den Männern, die sich der Ausweg nennen, ersinnt Thaddeus immer wieder neue Möglichkeiten gegen den gefürchteten Februar ins Feld zu ziehen. Die Dorfbewohner versuchen also beispielsweise, mit Wetteränderungsstangen, ein Loch in die Wolkendecke zu reißen, oder schmelzen den gesamten Schnee in der Stadt mit heißem Wasser. Doch der Februar gibt sich nicht kampflos geschlagen. Es verschwinden Kinder und Menschen aus den aufständischen Reihen der Dorfbewohner kommen auf grausamste Weise zu Tode. Wird es den Bewohnern am Ende dennoch gelingen, die Herrschaft des kalten Februars zu beenden?
Mein Eindruck:
Zunächst fiel es mir wirklich schwer, mich mit diesem Roman anzufreunden. Die Einleitung, sowie die ersten Seiten waren wirklich verwirrend, denn Shane Jones lässt in diesem Roman seiner Fantasie freien Lauf, experimentiert intensiv mit der Sprache und versucht durch sie, Emotionen beim Leser zu wecken. So bricht der Autor mit gängigen Erzählstrukturen, verzichtet auf die Einteilung in Kapitel - wurde meist einfach der erste Satz, oder das erste Wort auf der Seite als Überschrift hervorgehoben - und unterbricht seine Erzählung an vielen Stellen durch listenartige Aufzählungen, Gedanken der einzelnen Personen und Passagen, die fast an kleine Gedichte erinnern und des Öfteren nur einen Bruchteil einer Seite im Buch einnehmen. Oftmals wird auch die Schriftgröße geändert, um besonders wichtige Stellen hervorzuheben. Das Buch ist eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, sprunghaften Erinnerungen an eine bessere Zeit ohne den Februar. Leider fiel es mir etwas schwer, wirklich in die Geschichte einzutauchen, da sie meiner Meinung nach durch die ausgefeilte Sprache zu emotionslos wirkt, wodurch sich eine gewisse Distanz zur Erzählung entwickelt. Auch in die Charaktere konnte ich mich wegen fehlender Charakterisierung und Beschreibung des Äußeren nur schwer einfühlen und sie blieben auch im späteren Verlauf des Romans stets unnahbar. Der Autor versucht zwar, dem Leser die Figuren durch eingestreute Erinnerungen oder die Darstellung ihrer Gedanken durch eine Erzählung in der 1. Person näher zu bringen, dennoch finde ich, dass es ihm leider nicht ganz gelingen will. Dennoch stimmt mich die gesamte Geschichte nachdenklich. Sie wirkt wie ein surrealistisches Märchen, mit verspielter Poesie, die jedoch auch immer einen kleinen Funken Hoffnung in sich trägt. An jeder einzelnen Stelle der Geschichte scheint eine kleine Stimme im Wind zu flüstern "gebt nicht auf ihr lieben Dorfbewohner, gemeinsam könnt ihr den Februar besiegen". Denn trotz vieler Schicksalsschläge und Wirrungen, die durch den Februar hervorgerufen werden, lassen sich die Bewohner des Dorfes zu keiner Zeit unterkriegen und verkriechen sich auch nicht feige hinter ihren warmen Kaminöfen.
Für mich eher ein Buch, das mich mit Verwirrung zurücklässt. Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, ob es mir gefallen will oder nicht. Wenn man sich auf den eher unkonventionellen Schreibstil einlässt, ist es aber sicherlich ein sehr lesenswertes Buch, das die Leser zu verzaubern vermag.
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