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Jodi Picoult: Zeit der Gespenster: Roman

Zeit der Gespenster: Roman von Jodi Picoult

Zeit der Gespenster: Roman - Jodi Picoult
Bewertung: ♥♥♥♥♥
Verlag: Piper
ISBN13/EAN: 9783492054003
Erschienen: 2010-03
Preisvergleich

Von Schuld und auch von Sühne (Redakteur: Bianca Wenzel)


Jodi Picoult steht für eine gelungene Mischung aus Kriminal- und Liebesgeschichte, verknüpft mit persönlichen Schicksalen, so auch diesmal. Der Geisterjäger Ross Wakeman ist nach dem Tod seiner geliebten Frau Aimee auf der Suche nach ihrem Geist. Doch Ross kann nicht zu ihr, zu sterben ist ihm nicht vergönnt. Andere nennen ihn nach mehreren Selbstmordversuchen und Unfällen Glückspilz, Ross selbst frustriert darüber, er will nicht mehr leben.

Als er um 5 Uhr 58 mit einem Ruck erwachte, war Ross völlig verblüfft. Er blinzelte, fühlte sich so gut wie seit Monaten nicht mehr. Es war das Fehlen des leichen Gewichts auf seiner Brust, das ihn an den Ring erinnerte. Ross öffnete die Faust und geriet in Panik. Der Brilliantring, den er beim Einschlafen fest in der Hand gehalten hatte, war nirgends zu sehen. Ich hab sie verloren, dachte Ross, während er blicklos auf das starrte, was stattdessen in seiner Hand lag: ein Penny von 1932 – glatt wie ein Geheimnis, noch warm von der Berührung seiner Haut.



Ein Auftrag des Arztes Spencer Pike führt Ross in die Stadt, in der seine Schwester Shelby mit ihrem kleinen Sohn Ethan lebt. Ethan leidet an der Mondscheinkrankheit, weswegen er nur nachts das Haus verlassen kann, sein Onkel ist ein großer Held für den kleinen Mann. Spencer Pike bittet Ross, sich um einen alten Indianerfriedhof zu kümmern, den er am liebsten bebauen lassen würde. Pike selbst hütet ein düsteres Geheimnis, das alles auf den Kopf stellen wird. Der Bebauungsplan lockt schon bald die Schatten der Vergangenheit in den Ort und seltsame Dinge geschehen...Kann Ross Wakeman die Geister, die gerufen wurden, beschwichtigen?

Er hätte gern gewusst, was am Otter Creek Pass vor sich ging. In der Woche, seit Rod van Vleet da gewesen war, hatte der Protest der Abenaki zugenommen und war von der Öffentlichkeit registriert worden. Die Tatsache, dass der Trunkenbold des Ortes, Abbott Thule, eines Morgens feststellen musste, dass sein bis dato glattes Haar über Nacht ganz kraus geworden war, tat ihr Übriges.



„Zeit der Gespenster“ ist im Original bereits 2003 erscheinen und erfreut nun auch endlich die deutschen Leser. Jodi Picoult baut ihre Geschichte geschickt wie eh und je auf, führt auf falsche Fährten und führt Menschen zusammen, denen anfangs keine Zusammengehörigkeit anzusehen war. Packend und emotional erzählt sie ihren Lesern von einem düsteren Teil der amerikanischen Geschichte, der Vorbild für die Euthanasieprogramme des Dritten Reiches war. Paranormales ist zur Zeit der Trend, das wusste 2003 scheinbar schon Picoult und baute Geister in ihr Buch ein. Hierfür hat sie auch intensiv recherchiert und verpackt alles in eine Geschichte, die man ihr einfach abkauft.

Hat man anfangs noch den Eindruck, von den vielen Charakteren förmlich erdrückt zu werden, verknüpfen sich deren Fäden schon bald und man darf sich auf eine stimmige Geschichte freuen, die ganz anders als erwartet daherkommt und schon allein deswegen ungemein fesselt.
Zahlreiche Themen finden in diese Geschichte Eingang: Geister, die Hautkrankheit Xeroderma pigmentosum, die Eugenikprogramm in den 30er Jahren und Schattenseiten der Wissenschaft und Indianern, die besonders unter den Eugenikprogrammen zu leiden hatten. Jodi Picoult schafft es immer wieder, ihren Lesern ein Thema vorzusetzen, von dem man glaubt, eine ganz feste Meinung zu haben, doch irgendwie schafft sie es, diese Meinung mit ihren Geschichten aus ganz neuen Blickwinkeln zu betrachten. Es gibt kein schwarz und weiß, sondern zahlreiche Farben drumherum. Außerdem rückt sie auch immer Themen in den Vordergrund, von denen man selten hört, so wie diesmal von der Hautkrankheit Xeroderma pigmentosum (Mondscheinkrankheit). Ein aufschlussreiches Interview mit der Interview zu den Hintergründen des Buches sowie Anmerkungen zum Buch runden das Lesevergnügen ab.


Mitglieder-Rezensionen zu Zeit der Gespenster: Roman von Jodi Picoult


Rezension und Bewertung von Chiara: ♥♥♥♥♥
Jodi Picoult überrascht immer wieder aufs Neue. Anders als erwartet steht nicht Ross Wakeman im Mittelpunkt der Geschichte sondern bildet eher das Gerüst bzw. die Verbindung zu einer Geschichte die lange zurück liegt aber nicht weniger dramatisch ist.

Das Buch ist in drei Teilen gegliedert. Erster und Letzter handeln in der Gegenwart, der zweite Teil fährt zurück in das Jahr 1932. Dort spielt sich eine große Familientragödie ab deren Folgen bis in die heutige Zeit nachwirken.

Neben Verbindungen zu Verstorbenen greift Picoult auch wieder ein sehr prekäres Thema auf in diesem Fall die Erhebungen zur Genetik. So wurde in Vermont und weiteren Bundesstaaten ein Sterilisationsgesetz verabschiedet um zu vermeiden, dass Personen die Behinderungen aufweisen, kriminelle Energien besitzen oder als asozial gelten sich nicht mehr fortpflanzen und somit ihre schlechten Erbanlagen nicht weitergeben können. Die Vorgehensweise und Auslegung der sogenannten 2freiwilligen Sterilisation"“ hat mich sehr schockiert.

Meine Empfindungen beim Lesen gingen von Kopfschütteln, über Besorgnis, Trauer, Entsetzen, Hoffnung, Erleichterung gegen Ende gab es auch noch was zum Lachen und letztendlich bleib ich mit dem Gefühl zurück eine in sich stimmige Geschichte gelesen zu haben.

Auf den Inhalt bin ich bewusst nicht detailliert eingegangen. Da es aufgrund der vielen Personen und Handlungen zum einen zu ausführlich werden würde und der Überraschungseffekt beim Lesen auf der Strecke bleibt. Jodi Picoult gelingt es auf jeden Fall wieder durch ihre wechselnde Erzählperspektiven einen ganz nah an das Leben der einzelnen Protagonisten ran zuführen und lässt uns wieder hautnah mitfühlen.

An Gespenster mag man glauben oder auch nicht. Selbst als kritischer Mensch kann man sich auf die Geschichte einlassen. Haarsträubend fand ich allerdings die Kaffeemaschine aus der nur noch Limonade kommt. Mit der konnte ich mich genauso wenig anfreunden wie mit den Wasserleitungen in denen bei „Das Herz meiner Tochter“ Wein statt Wasser floss. Mit so einem kleinen beiläufigen Satz kann man so viel kaputt machen und ich war mir bis heute Morgen noch sicher, dass das einen Bewertungsstern Abzug geben wird. Doch gegen Ende hatte mich Picoult immer mehr am Wickel und ich bin trotz allem dermaßen beeindruckt, dass ich die volle Punktzahl gebe.

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